Kunsttöpferei - Friedrich Festersen - Kunstöpferei Frie

Kunsttöpferei Friedrich Festersen

(Berlin 1909 - 1922)

Kunsttöpferei Friedrich Festersen (Berlin 1909-1922)


Wer immer sich über die Kunsttöpferei Friedrich Festersen in Berlin informieren wollte, war auf bescheidene biographische Angaben in diversen Fach-Lexika angewiesen. Dies änderte sich 2009: Das Keramik-Museum Berlin (www.keramik-museum-berlin.de) zeigte vom April bis zum Juni eine Kabinett-Ausstellung von ca. 70 Objekten, die erstmals einen repräsentativen Einblick in die Vielfalt der Dekore und Formen aus der relativ kurzen Zeit der Wirksamkeit der Kunsttöpferei Festersen ermöglicht hat. Im Zuge dieser Präsentation konnten umfassende firmengeschichtliche und biographische Details in Erfahrung gebracht werden, die in einem feinen, kleinen und farbig illustrierten Ausstellungskatalog von Heinz-J. Theis im Selbstverlag zusammengefasst wurden.1

Im Folgenden Auszüge aus dem Katalog, ergänzt und teilweise berichtigt durch neuere Forschungsergebnisse.

 Ergänzungen und Berichtigungen sind ausdrücklich erwünscht!

 festersen 1905 festersen 1910
 Friedrich Festersen um 1905  Friedrich Festersen um 1910

 
Friedrich Festersen wurde am 11. Juni 1880 als zweitältester von fünf Söhnen des Landwirts Hans Heinrich Festersen und dessen Frau Maria, geb. Christensen, in Hockerup/Nordschleswig geboren (Anlage 1). Die Familie Festersen ist, wie Frede Lyck schreibt, seit über 400 Jahren2 in der kleinen Ortschaft Hockerup (dänisch Hokkerup) in Nordschleswig ansässig. Einer Gegend mit sowohl deutsch- als auch dänischstämmigen Bevölkerungsanteilen, meist von dänischen Regenten beherrscht. Seit dem Krieg von 1864 gehörte sie zu Preußen bzw. später zum Deutschen Reich. 1920 wurde Nordschleswig als Folge des Versailler Vertrages nach einem Volksentscheid am 10. Februar mit 75 Prozent Stimmenmehrheit Dänemark zugesprochen. Die Festersen zählten sich zum deutschen Bevölkerungsanteil.

Der Erbhof der Familie liegt heute wie damals in der Hokkerupgade. Frede Lyck schreibt, dass ein Teil der Hofgebäude aus dem Jahr 1586 stammt und der Hof insgesamt sehr alt und wenig verändert ist. Im Dorf gab es um 1908 ein gewisses Maß an Infrastruktur, eine Poststelle, einen Dorfkrug, eine Meierei, einen Laden.

Über Friedrich Festersens Werdegang bis zu einem Alter von ca. 25 Jahren sind bisher keine Dokumente bekannt geworden. Hokkerup liegt nur wenige Kilometer von Flensburg entfernt, wo Friedrich Zugang zu weiterführender Bildung, zu Ausstellungen und anderen künstlerischen und kunstgewerblichen Dingen und Personen gehabt haben dürfte. Um 1906 wird sein Beruf an verschiedenen Stellen mit Kaufmann angegeben.3 Andere Autoren nehmen an, dass er eine Ausbildung an der Fachschule in Bunzlau durchlaufen haben könnte. Nach Angaben aus der Familie soll er gelernter Konditor gewesen und um 1900 in die Reichshauptstadt Berlin gezogen sein.4

In Berlin betrieb der Tischler Heinrich Festersen, der vermutlich ein Großonkel von Friedrich war, im südlichen Tiergarten/nördlichen Schöneberg, damals Berlin W35 (ab 1920 Bezirk Tiergarten; seit 2001: Berlin-Mitte, Ortsteil Tiergarten) eine Porzellanwarenhandlung. Hier fand Friedrich eine Anstellung und konnte, nachdem sich Heinrich Festersen 1905 zur Ruhe gesetzt hatte, die Leitung des Geschäfts übernehmen.5

Am 9. März 1906 heiratete Friedrich Festersen die Jüdin Sonja Esther Abramowna Merlis (Anlage 2), die aus der Nähe von Minsk stammte, standesamtlich in Berlin. Beide wohnten zu dem Zeitpunkt und wahrscheinlich auch die folgenden Jahre in der Lützowstraße 31.6

Um 1906/07 ergänzte Festersen das Angebot des Ladens um eine „Agentur für Bauerntöpferei“ (Anlage 3 und Anlage 4) und nannte sich auch Vertreter für Bauerntöpfereien.7 Vermutlich befanden sich in diesem Sortiment auch die einstmals sehr beliebten traditionellen Töpferarbeiten aus Schlesien. Von ihm vertretene Firmen waren, soweit bisher bekannt: Otto Beyer, Bürgel8, Ludwig Schneider, Marburg9. Diese Tätigkeit hat ihm sicher einen tieferen Einblick in die Entwicklung der Keramik10 ermöglicht und über diesen Weg kann er auch Hugo Lippmann (Anlage 5) kennengelernt haben, der zu dieser Zeit bereits ein Musterlager für Engros in Berlin hatte.

Ende 1907/Anfang 1908 erwuchs wohl die Idee, eine eigene Töpferei in Berlin aufzubauen, um unabhängiger zu sein und sicher auch um teure Transportwege aus Bunzlau zu vermeiden. Bisher ist nicht genau zu ermitteln, wann Friedrich Festersen anfing, eigene Töpferwaren herzustellen bzw. herstellen zu lassen. (Anlage 6).

1908/1909 lautet die Bezeichnung seines Gewerbes: „Porzellanwarenhandlung, Spezial Abteilung und Agentur in Bauerntöpferei, Kunstkeramik“11 und 1910 wurde es zusätzlich durch „Kunsttöpferei Nr. 2" ergänzt.12

1909 am 20.10. Beitritt in den „Verein für deutsches Kunstgewerbe“ zu Berlin13.

1910/1911 scheint er den Vertrieb von und die Agentur für Bauerntöpfereien aufgegeben zu haben, was darauf schließen lässt, dass neben dem Handel mit Porzellan und Glas vornehmlich Produkte der eigenen Kunsttöpferei angeboten wurden. Die „Spezial Abteilung und Agentur für Bauerntöpferei“ wird im Berliner Adressbuch nicht mehr aufgeführt und das bleibt in den kommenden Jahren. Friedrichs „Kunsttöpferei Nr. 2“ ist im Adressbuch zu finden. Familie Festersen wohnt nun in der Magdeburger Str. 1114

1915 freiwilliger Kriegsdienst als Krankenpfleger, Beginn der Ausbildung 9. April, Tod 14. November durch tuberkulöse Hirnhautentzündung, begraben in Weiskirchen /Saargebiet15.

 

In Anbetracht der engen Zusammenarbeit der Kunsttöpferei mit den „Deutschen Werkstätten“ (Anlage 7), dem „Dürerbund“ und dem Beitritt in den „Verein für deutsches Kunstgewerbe zu Berlin“ darf angenommen werden, dass Friedrich Festersen mit den von diesen Organisationen vertretenen künstlerischen und moralischen Grundsätzen sympathisierte und sich als Teil dieser Reformbewegung verstand. Möglicherweise bekam er durch persönliche Kontakte zu deren Mitgliedern die entscheidenden Impulse für die Kunsttöpferei. Die große Kunstgewerbliche Ausstellung in Dresden 1906, die Diskussionen um die Rede von Hermann Muthesius 190716 dürften ihm nicht entgangen sein. Eine Vielzahl von Zeitschriften Ausstellungen, Vorträgen informierte damals über die kunstgewerbliche Szene.

Seine freiwillige Kriegsteilnahme steht vermutlich im Zusammenhang mit dem zum damaligen Zeitpunkt auch in Künstlerkreisen ausgeprägten Nationalismus. Viele damalige Künstler teilten euphorisch den Eintritt Deutschlands in den Krieg und meldeten sich freiwillig.

Festersens Tod wurde auch in der Tonindustrie-Zeitung veröffentlicht: 1915 (39. Jahrgang, Nr. 151, S. 811) unter der Rubrik „Ehrentafel”:

Den Heldentod starb der Kunsttöpfer Friedrich Festersen, Inhaber der Kunsttöpferei Festersen, Berlin, Freiwilliger Krankenpfleger
.

grab 
 Die Grabstätte von Friedrich Festersen in Weiskirchen/Saargebiet, 1915/16


 

Friedrich Festersen (1880-1915)

1880                                am 11. Juni in Hockerup/Nordschleswig geboren 
vor 1900       Ausbildung zum Konditor
um 1900 geht Friedrich nach Berlin und findet Anstellung in der Porzellanwarenhandlung Heinrich Festersen (Lützowstr. 31)  
1905 Übernahme der Porzellanwarenhandlung
1906 Heirat Sonja Merlis am 9. März
1907 Einrichtung einer Agentur für Bauerntöpferei
1909 Gründung einer Kunsttöpferei mit seinem Bruder, dem Bildhauer Andreas, und seiner Frau Sonja in der Lützowstr. 2,
20.10.1909 Aufnahme in den Verein für deutsches Kunstgewerbe Berlin
1910 bis 1914 Generalvertrieb von Festersen's Kunsttöpfereien über die Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst GmbH, Dresden-Hellerau und München
1912 Teilnahme an der Leipziger Mustermesse
1915 9.4. - 7.5. Ausbildung zum Krankenpfleger - anschließend freiwilliger Dienst in der Armee des deutschen Heeres
10.11. Aufnahme im Kriegslazarett Weiskirchen
1915 am 14.11. stirbt Friedrich Festersen an einer tuberkulösen Hirnhautentzündung

 ladengeschaeft
Die Porzellanwarenhandlung Friedrich Festersen in der Lützowstraße 31.  Anhand dieser alten Fotographie des Ladengeschäfts ist zu erkennen, dass sich neben Porzellan und Kunst-Keramik auch „Bauerntöpfe“, Steingut, Kochgeschirr und Glasartikel im Sortiment befanden.

Auch der in Berlin lebende ältere Bruder von Friedrich, der Bildhauer Andreas Festersen (Anlage 8 und Anlage 9), mit einer Ausbildung als Bildhauer an der Kunstgewerbeschule (KGS), heute Museumsberg Flensburg und an der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin, soll an der Gründung des neuen Betriebes beteiligt gewesen sein. Da Friedrich allem Anschein nach keine künstlerische Ausbildung hatte, geht man davon aus, dass von Andreas die meisten Entwürfe stammen. Nach Überlieferung in der Familie (deutscher Zweig) verkehrte er im Freundeskreis von Emil Nolde.

familie 01 big familie 02
Sonja und Friedrich Festersen mit ihren
Kindern Ruth und Hans Heinrich um 1913
Die Familien Friedrich und Andreas Festersen um 1913
(v.l.n. r. sitzend: Wilhelmine, Ruth und Sonja;
stehend: Friedrich, Hans Heinrich und Andreas)

Anfangs wurden in der Töpferei vornehmlich Kuchen-Backformen, an denen reichlich Bedarf bestand, recht bald aber auch anderes, meist dickwandiges Gebrauchsgeschirr wie Krüge, Terrinen sowie Vasen und Schalen aus Steinzeug gefertigt. Verwendung fand meist ein heller, weißlicher oder beigefarben bis grau brennender Feinsteinzeugton, jedoch gibt es auch Belegstücke mit rot brennendem Ton und Teller aus Steingut.

Flache Zierschalen und Teller aus Steingut weisen teilweise neben einer von Hand geschriebenen Signatur auch einen kleinen Blindstempel (Pressmarke) in Form einer hochgestreckten Wabe (mit Buchstaben und Zahlen) auf, wie er auf Produkten von Villeroy & Boch, Dresden, zu finden ist. Man kann davon ausgehen, dass diese gegossene „Flach- oder Stapelware“ in rohem Zustand von dort bezogen und in der Kunsttöpferei Festersen lediglich dekoriert und glatt gebrannt wurde.17 Die dazu benötigten Töpfer und Maler stammten – nach Auskunft von Peter Festersen, Schwerin (einem Enkel von Friedrich Festersen) - allesamt aus dem Bunzlauer Töpfergebiet in Niederschlesien.18 (Anlage 10)

Markenzeichen der jungen berliner Firma wurde eine seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Bunzlauer Raum weitverbreitete „bäuerliche“ Dekorationstechnik, das sogenannte „Schwämmeln“ von Pfauenaugen.19 Die anfangs noch schlicht gehaltenen Formen wirkten zunächst sehr rustikal, wurden aber bald immer eleganter und die vielfältigen Schwammdekore bekamen mit der Zeit auch immer feinere Strukturen. In Anlehnung an die Bunzlauer Schwammdekore wurden die dominierenden Farben Blau, Grün und Gelb zunächst mit Kartoffelstempeln und später mit Lederlappen20 aufgetragen. Später kamen gemalte und geschlickerte Dekore21 und auch Laufglasuren dazu. Die mehrschichtig aufgetragenen, zum Teil polychromen Laufglasuren bringen beim Ineinanderlaufen interessante Farbeffekte hervor und schaffen matte oder glänzende Oberflächen von großem Reiz.

Festersen’s großes, in mannigfaltigen phantasievollen Varianten ausgeprägtes weichkonturiges Pfauenaugenmuster stellt eine kreative Weiterentwicklung des Bunzlauer Vorbildes dar. Daneben entstanden wohlproportionierte Vasen und Schalen ostasiatisch beeinflusster Formgebung in gedeckten Farbtönen. Es kann heute leider nicht mehr eindeutig festgestellt werden, wer für die Form- und Dekorentwürfe verantwortlich war. Da aber Friedrich Festersen meist als Kaufmann betitelt wurde, liegt die Vermutung nahe, dass sein Bruder Andreas - der Künstler - für die Entwürfe zuständig war. (Anlage 11 und Anlage 12)

Generell muss die Entwicklung der Festersen-Exponate in Form und Dekor im Zusammenhang mit dem Ringen um die „wahre Kunst“ der damaligen Zeit, des „Aufbruchs der modernen Kunst“, der „Kunstgewerbebewegung“ betrachtet werden. (Anlage 13). Deutschland war damals wirtschaftlich mächtig, hatte eine Friedensphase von annähernd dreißig Jahren hinter sich. Der Geldwert war stabil geblieben, eine allgemeine Prosperität förderte die Kaufkraft, und besonders das mittlere Bürgertum begann, sich verstärkt zu emanzipieren. Die Jugend wollte zudem aus der tradierten, muffigen Enge heraustreten, wollte sich in neuer Atmosphäre verwirklichen, und gerade das junge Deutschland wurde damals noch von den geistig kreativen Kräften angesprochen. Die Berichterstattung in den wichtigsten, den Gedanken des neuen Kunstgewerbes vorantragenden Zeitschriften „Dekorative Kunst“, „Innendekoration“, „Kunst und Dekoration“ oder dem Leipziger „Kunstgewerbeblatt“ ist es zu verdanken, dass in einer sehr kurzen Zeitspanne relativ breite bürgerliche Bevölkerungsschichten sich für die neuen Bemühungen erwärmten und schließlich aufgeschlossen wurden. Hinzu gesellte sich ein Nationalbewusstsein, ja ein Stolz auf Staat und Heimat, das nach eigenem Stil, nach dem Ausdruck des eigenen sogenannten nationalen Empfindens strebte. Allerdings standen die Keramik-Künstler, ähnlich wie die Maler (Beispiel „Die Blauen Reiter“) offensichtlich im intensiven Austausch über neue Formen, Dekore und künstlerische Entwicklungen. (Anlage 14)

Bereits 1907 wurde Friedrich Festersen in der damals führenden Fachzeitschrift  „Tonindustrie-Zeitung” lobend erwähnt. In einem Bericht über die „Sonderausstellung neuzeitlicher deutscher Steinzeug- und Töpferwaren im königlichen Kunstgewerbe-Museum zu Berlin” (31. Jahrgang, Nr. 81, S. 982) wurden seine Exponate als musterhaft aufgeführt.

Das früheste bekannte Auftreten von Festersen-Keramik im Rahmen von Ausstellungen/Präsentationen fand 1908 statt. Der Berliner Innenarchitekt Albert Gessner gestaltete im Kaufhaus Herrmann Gerson Ausstellungsräume in Form einer typischen Berliner Etagenwohnung. (Anlage 15) Parallel dazu ließen die Vereinigten Werkstätten in Berlin das Typenmöbelprogramm von Bruno Paul fabrizieren. Gezeigt wurde das neuartige Möbelprogramm in den Ausstellungsräumen in der Königgrätzerstraße 22. (Anlage 16). In beiden Ausstellungen finden sich Festersen-Exponate.

In der bereits erwähnten „Tonindustrie-Zeitung“ 1911 (35. Jahrgang, Nr. 124, S. 1473/1474) gab es unter der Rubrik „Bücherschau" einen Hinweis auf die Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration“, XV. Jahrgang, Heft 1, Oktober 1911, Darmstadt mit einem ausdrücklichen Bezug auf Friedrich Festersen. 1914 berichtete die „Tonindustrie-Zeitung” (38. Jahrgang, Nr. 19, S. 294) dann über „Künstlerische Hafnerware”. Auch hier wurde Friedrich Festersen namentlich erwähnt und aufgeführt.

Im Oktober 1909 fand Festersen Aufnahme im Verein für deutsches Kunstgewerbe in Berlin. Und ebenfalls 1909 hatten die Deutsche Werkstätten für Handwerkskunst GmbH22 Dresden und München den Generalvertrieb der Festersen Kunsttöpferei bis 1914 übernommen. (Anlage 17).

Die Produkte der „Deutschen Werkstätten“ waren auf Kataloge jeweils mit eigener beiliegender Preisliste aufgeteilt. Im Katalog „Kleingerät“ (Anlage 18) aus dem Jahr 1909 befinden sich unter der Rubrik „Keramik“ ein Sortiment von insgesamt 59 Vasen, Krügen, Kannen und Schüsseln der Kunsttöpferei F. Festersen23 auf neun Tafeln als passende dekorative Ergänzung zu den Möbeln der Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst.

Am 1. Oktober 1902 wurde in Dresden der Dürerbund von Ferdinand Avenarius (1856-1923) im Zusammenwirken mit Paul Schumann gegründet und bestand bis 1935 fort. Das Ziel des Vereins bestand in der ästhetischen Erziehung des Volkes und in der Pflege der Kultur. Er wurde zur führenden kulturreformatorischen Organisation im deutschsprachigen Raum. Der anfängliche Grund für die Gründung war, die Sympathisanten und rund 20.000 Leser der Zeitschrift „Kunstwart“ in einer Institution zu verbinden. Herausgegeben wurde die Zeitschrift, die von 1887-1937 existierte, zu dieser Zeit von Ferdinand Avenarius. Avenarius war es auch, der Schmidt von den Dresdner Werkstätten (später Deutsche Werkstätten) förderte und unterstützte. (Anlage 19)

Bis 1912 zog der Dürerbund rund 300.000 gleichgesinnte Mitglieder aus dem bürgerlich gebildeten Mittelstand an. Ca. 6.000 Einzelmitglieder und 350 Vereine hatten eine Einzel- bzw. korporative Mitgliedschaft.24 Nach dem Mitglieder-Verzeichnis von 1905 sind darin rund 44 Prozent Lehrer (überwiegend von Volksschulen) und Geistliche, 19 Prozent Schüler, Studenten, Referendare, 28 aus weiteren Berufen mit Bildungsvoraussetzungen und 9 Prozent aus wirtschaftlichen Berufen.25

Im Jahr 1912 publizierte der kulturkonservative „Dürerbund“ in Zusammenarbeit mit der von ihm gegründeten „Gemeinnützigen Vertriebsstelle Deutsche Qualitätsarbeit GmbH“ Dresden-Hellerau einen Bestellkatalog für mustergültige Waren: „Gediegenes Gerät fürs Haus“, wobei Haushalts- und Gebrauchsgegenstände dominierten.26 Drei Ziele verbanden sich mit der Gründungsidee der Vertriebsstelle: Den Käufern „gute“ Ware preiswert zu beschaffen, die Hersteller anzuregen, „gute“ Ware zu produzieren und den Gewinn für gemeinnützige Kulturzwecke zu verwenden.

Im Vorwort des Katalogs „Gediegenes Gerät fürs Haus“ (Anlage 20) heißt es:

„Sie soll den Käufern gute Waren preiswert verschaffen, soll die Hersteller anregen, solche darzubieten, und soll einen etwaigen Gewinn des vermittelnden Unternehmers restlos gemeinnützigen Zwecken zur Verfügung stellen“. Im betreffenden Katalog „Gediegenes Gerät fürs Haus“ finden sich aus dem Betrieb von Friedrich Festersen auf zwei Seiten insgesamt 39 Vasen, Schalen, Krüge, Teller, Schreibzeuge und Butterdosen mit Farb- und Größenangaben (incl. Preisangaben).

Heidi Rezepa-Zabel hat in ihrem Standardwerk „Deutsches Warenbuch Reprint und Dokumentation. Gediegenes Gerät fürs Haus“, Berlin 2005, weitere Festersen-Exponate dokumentiert (Anlage 21).

Neben dem „Kleingerätekatalog“ wurden Festersen-Exponate durch Abbildungen (Anlage 22) in den führenden Zeitschriften „Deutsche Kunst und Dekoration“ und „Die Kunst“ ab 1909 auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht (Anlage 23 und Anlage 24). Hierbei handelt es sich meistens um Bilder aus dem Katalog „Gediegenes Gerät fürs Haus“, die in verschiedenen Konfigurationen auftauchen. Als Beleg für den schnellen Erfolg, den die kleine Firma hatte, ist beispielsweise im April 1909 eine erste Veröffentlichung von vier Bildern mit 28 geschwämmelten Objekten von Festersen in der Monatszeitung „Deutsche Kunst und Dekoration“ (Heft 7, Darmstadt April 1909, XII. Jahrgang 1909/1910,  S. 75/174/179/287) erschienen, zwei weitere Bilder in derselben Monatsschrift mit 10 geschwämmelten Objekten folgten im Laufe des Jahres 1909. Im Heft 1 (Oktober 1911) gab es eine weitere ganzseitige Darstellung mit 13 Festersen-Exponaten.

Auch die damals führende Monatsschrift die „Die Kunst“ (Monatshefte für freie und angewandte Kunst. Zweiundzwanzigster Band. Angewandte Kunst der „Dekorativen Kunst“, XIII. Jahrgang, München 1909/1910, S. 114/115/116/117) veröffentlichte als Illustration eines Artikels sieben Bilder mit 43 geschwämmelten Objekten von Festersen.

In der Monatszeitung „Deutsche Kunst und Dekoration“, „Innendekoration“ und „Die Kunst“ gibt es zahlreiche Beispiele für Wohnungseinrichtungen in denen dann Festersen-Exponate als Dekoration auftauchen. Ferner findet man Festersen Exponate in Alexander Koch´s „Handbuch Neuzeitlicher Wohnungskultur, Band Speise-Zimmer“ (Anlage 25.)

Auch in der Juni-Ausgabe 1914 der Zeitschrift „Daheim" gab es Hinweise auf die Kunsttöpferei Festersen, angereichert mit drei dokumentierten Bildern (Kaffee- und Teegeschirr, drei Vasen aus der Kunsttöpferei und fünf Vasen von Friedrich Festersen (Anlage 26).

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs bewog Friedrich Festersen, sich vom 9. April bis zum 7. Mai 1915 in der „Königlichen chirurgischen Universitätsklink“ in Berlin zum Krankenpfleger ausbilden zu lassen. Bereits wenige Monate nach seinem Dienstantritt bei einer freiwilligen Krankenpflege-Etappeninspektion im deutschen Heer verstarb er am 14.11.1915 im Alter von nur 35 Jahren in einem Kriegslazarett in Weißkirchen/Saargebiet an den Folgen einer tuberkulösen Hirnhautentzündung. In Weißkirchen wurde Friedrich Festersen auch beigesetzt.

Auch Andreas Festersen leistete seinen „Dienst am Vaterland“. Nach Kriegsende zog er mit seiner Familie zurück nach Hockerup, um den Erbhof zu übernehmen und Bauer zu werden, weil auch Peter – der viertälteste der fünf Brüder – 1916 gefallen war. Friedrichs Witwe Sonja betrieb den Laden und die Töpferei zusammen mit dem Geschäftsführer Hugo Lippmann (der bereits - neben Carl Javurek - bis zum Kriegsausbruch Vertreter für die Kunsttöpferei war) unter dem Namen „Festersen’s Kunsttöpferei GmbH“ weiter (1916-1922). Der Umsatz der Firma „Friedrich Festersen Kunsttöpferei“ betrug im Jahr 1913 mindestens 25.000 - 30.000 Mark. Als jedoch die Auswirkungen des weltweiten Konjunktureinbruchs und der Inflation den Absatz von Keramikerzeugnissen immer mehr erschwerten, musste 1922 schließlich die Liquidation angemeldet und die Produktion der Kunsttöpferei eingestellt werden.

Karl Lindner übernahm 1922 die Töpferei und richtete eine „Werkstatt für Ofen- und Kaminbau“ ein. 1926 wurde die Werkstatt schließlich von den „Oranienburger Werkstätten Körting, K.G.“ übernommen, die ihren Betriebssitz von Oranienburg in die Stadt verlegten.27

Sonja Festersen führte ihr Ladengeschäft in der Lützowstraße 31 noch bis ca. 1930 weiter und starb am 13. April 1939 in Berlin.28

Obwohl es nur wenige Zeitdokumente gibt, die die Arbeit der Kunsttöpferei Friedrich Festersen aufzeigen, belegen die erhalten gebliebenen Objekte teilweise eine eigenständige hohe Qualität in Form und Dekor. Auch Otto Pelka fand 1924 in seinem Buch „Keramik der Neuzeit“ die Steinzeugarbeiten aus der Festersen-Produktion erwähnenswert: „Friedrich Festersen in Berlin versah seine Vasen, Schalen und Kannen, die in einfachen sachliche Formen gehalten sind, teilweise mit einem Schwammdekor, teilweise mit einer allerdings etwas kleinlich gehaltenen Blumenmalerei“.29

Das Ehepaar Friedrich und Sonja Festersen hatte zwei Kinder, den 1907 geborenen Sohn Hans Heinrich und die 1909 geborene Tochter Ruth Marie. Der Sohn wurde zum Klavierstimmer ausgebildet. Aufgrund einer zerebralen Kinderlähmung war er an den Beinen teilweise gelähmt und musste Gehhilfen mit sich führen. Am 12. Oktober 1942 wurde Hans Heinrich von der Polizei in der Arbeiterkolonie Lobetal30 bei Bernau, wo er seit 1931 lebte, verhaftet und am 13. Juli 1943 vom Berliner Sondergericht wegen seiner Homosexualität nach § 175 wegen angeblicher „Minderwertigkeit" zum Tode verurteilt. In der „Mordnacht vom Plötzensee" vom 7. auf den 8. September 1943 wurde er in Plötzensee gehenkt. Ruth Marie Festersen erlernte die Schauspielerei und wurde unter anderem 1935 Mitglied der Schauspielbühne des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr. Sie überlebte die Zeit des Nationalsozialismus und Krieg, arbeitete weiter in ihrem Metier und starb 1991 in Weimar.

 

Zeitachse der Festersen-Töpferei


 
 


1 Vgl. Heinz-J. Theis (Hrsg.): Kunsttöpferei Friedrich Festersen (Berlin 1909-1922), 52 Seiten, Berlin 2009. Zu beziehen zum Preis von € 7 beim Keramik-Museum Berlin, Schustehrusstraße 13, 10585 Berlin-Charlottenburg, Tel. 030/3212322.
Weitere Literatur zu Friedrich Festersen:

Müller, Heidi, Lippert, Ekkehard und Inge/Falkenberg, Regine: Bunzlauer Geschirr, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Schriften des Museums für Deutsche Volkskunst Berlin 1986, Band 14, S. 403, Markenverzeichnis, Marke 19, Festersen; Mosel, Christel: Kunsthandwerk im Umbruch, Jugendstil und Zwanziger Jahre, S. 12, Marke Festersen; Reineking von Bock, Gisela: Meister der deutschen Keramik 1900 bis 1950, Köln 1978, S. 115, Beschreibung Manufaktur Festersen sowie Seite 320, Pressmarke Festersen, Höhe 6 cm, Breite 10 cm; Märkische Ton-Kunst. Berlin und Brandenburg. Keramik der 20er und 30er Jahre, Berlin 1992, S. 123/178/199/241; Zühlsdorff, Dieter: Keramik-Marken Lexikon 1885-1935, Europa, Festland, Arnoldsche Art Publishers, September 2004, S. 407; Kunstgewerbemuseum Berlin (Hrsg.), Werke um 1900, Berlin 1966, S. 116/117; Arnold, Klaus-Peter: Vom Sofakissen zum Städtebau. Die Geschichte der Deutschen Werkstätten und der Gartenstadt Hellerau, Dresden/Basel 1993, S. 139, 299, 391, 398, 400; Rezepa-Zabel, Heide: Deutsches Warenbuch. Reprint und Dokumentation. Gediegenes Gerät fürs Haus, Berlin 2005, S. 79, 80, 106, 144, 216, 297; Horschik, Josef: Steinzeug von Bürgel bis Muskau. 15.-19. Jahrhundert, Dresden 1978, Abb. 29, S. 485; Gysling-Billeter, Erika: Objekte des Jugendstils, Zürich 1975, Nr. 47; Winnicke, Winfried: Allgemeines Künstlerlexikon (AKL). Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Band 39, München 2003

2 Angaben über Hokkerup aus Lyck, Frede 1979, Hokkerup: et blik tilbage i en landsby med dens huse og forretninger, Hokkerup 19 S., veröffentlich 2014 auch auf www.hokkerup.net

3 Adressbuch Berlin u.a. 1906 und 1907; standesamtliche Heiratsurkunde mit Sonja Merlis, eingesehen über www.ancestry.org

4 Theis 2009 S. 5 aus Winnicke/AKL, 2003: Konditor, ohne Quellenangabe

5 Adressbücher Berlin für 1899-1906. Bis zum Eintrag im Berliner Adressbuch für 1906 ist nur Heinrich Festersen darin zu finden. Im Berliner Adressbuch für 1906 steht unter Festersen: F. Festersen, Porzellanwarenhandlung Lützowstr. 31 und H. Festersen, Privatier. Das Adressbuch kann abgerufen werden unter www.zlb.de

6 Scan vom Original der standesamtlichen Heiratsurkunde über www.ancestry.com eingesehen

7 Im Adressbuch Berlin für 1907 steht unter Festersen, F.: Porzellanwarenhandlung und Agentur für Bauerntöpferei.

Meyers Kleines Konversations-Lexikon in sechs Bänden aus dem Jahr 1906 beschreibt die Aufgabe einer Agentur mit „Geschäftsvermittlung verschiedener Art“. Die Inhaber einer Agentur (Agenten) sind Personen, die ständig damit betraut sind, für das Handelsgewerbe eines Anderen Geschäfte zu vermitteln oder im Namen des Anderen abzuschließen. Soweit nicht über die ihm zu gewährende Vergütung etwas anderes vereinbart ist, gebührt ihm eine Provision für jedes zur Ausführung gelangte Geschäft, das durch seine Tätigkeit zustande gekommen ist

8 Tonindustrie-Zeitung 1907 Bd. 31,2, S. 996, Sonderausstellung neuzeitlicher deutscher Stein- und Töpferwaren im Königlichen Kunstgewerbe-Museum zu Berlin, S. 982-984 und 996-1000

9 Tonindustrie-Zeitung 1907 Bd. 31,2, S. 984

10 Die Herstellung von Keramik erfordert einen Brennofen – sieht man von Tellern aus Plastik, Holz, Zinn, Silber oder Gold ab. Aber was ist denn nun genau der Unterschied zwischen Keramik, Steingut, Porzellan und Co.? Keramik ist der Oberbegriff für alles, was aus Ton und Porzellanerde (Kaolin) hergestellt wird, beides sind Verwitterungsprodukte verschiedener Gesteine. Dann wird unterteilt in Grobkeramik, etwa Bauziegel, Dachpfannen, Bodenplatten, und in Feinkeramik wie Geschirr, Vasen, Plastiken. Je nachdem wie porös oder fein das Ausgangsmaterial ist, gibt es auch bei der Feinkeramik Abstufungen. Das gröbste ist einfache Irdenware, es folgen Töpferware, Majolika, Steinzeug, Steingut und am Ende das Porzellan, das aus besonders dichtem weißem Kaolin besteht und nach dem sehr heißen Brennen fast durchscheinend ist.

11 Adressbuch Berlin für 1909 unter Festersen

12 vgl. www.zlb.de

Ab 1911 taucht im Berliner Adressbuch als Wohnung in Berlin W 35, Magdeburger Str. 11 auf. Nach einem Artikel in der Zeitschrift "Daheim" (Juni 1914, 50. Jahrgang, Heft Nr. 38 vom 20.6.1914, S. 26-27) hatte er hier auch „sein Atelier und sein stattliches Lager".

13 Theis 2009, S. 15 keine genauen Angaben zur Quelle. Der Verein gab die Zeitschrift „Werkkunst“ heraus, in der regelmäßig Mitgliederbeitritte und –listen veröffentlicht wurden.

14 Adressbuch Berlin für 1911 unter Festersen

15 Theis 2009 S. 9, 10 u. 15 dort auch weitere Informationen.

16 Hermann Muthesius (* 20. April 1861 in Großneuhausen, † 26. Oktober 1927 in Berlin) war ein deutscher Architekt und preußischer Baubeamter. Er wirkte als Autor, Geheimrat im Preußischen Handelsministerium, einflussreicher Theoretiker der „modernen“ Architektur und des Produktdesigns, Kritiker des Jugendstils und Mitbegründer des Deutschen Werkbunds. Aus einem 1907 gehaltenen Vortrag an der Berliner Handelshochschule entwickelte sich ein Skandal, der als „Fall Muthesius“ berühmt wurde, und nach Protesten des wirtschaftlichen Interessenverbandes des Kunstgewerbes in einer mit Muthesius solidarischen Gegenbewegung die Gründung des Deutschen Werkbunds auslöste.

17 Im Archiv von Villeroy & Boch findet sich allerdings kein Hinweis auf eine intensivere Zusammenarbeit mit der Kunsttöpferei.

18 Vgl. Sally Schöne, Zeichensaal, Labor und Werkstatt. Keramische Fachschulen in Deutschland zwischen Kaiserreich und Zweitem Weltkrieg,  Halle an der Saale 2004, S. 129 ff.

19 Mittels in verschiedene Formen geschnittener Schwämme wird eine meist blaue oder grüne Schlickerfarbe auf das zu dekorierende, schon einmal gebrannte Objekt    getupft und danach mit einer transparenten brennenden Glasur überzogen und nochmals gebrannt. Vgl. Ekkehard und Inge Lippert, Dekore, in: Heidi Müller, Ekkehard und Inge Lippert, Bunzlauer Geschirr. Gebrauchsware zwischen Handwerk und Industrie, Berlin 1986, S. 80 ff, insbesondere Schwammdekor S. 84 ff

20 Friedrich Festersen‘s Sohn Hans Heinrich, hatte Kinderlähmung und trug lederummantelte Beinschienen. In der Familie wird erzählt, dass das Schwämmeln mit Lederlappen aus den alten Beinschienen erfolgte. Ferner lieferte Liselotte Buro – eine Freundin der Familie – Reste aus der Produktion ihres Lederwarengeschäfts für die Übertragung von Stempeldekoren

21 Mit Hilfe des Malhorns wird der dickflüssige eingefärbte Tonschlicker auf das noch ungebrannte und halbfeuchte, lehmglasiere Gefäß in Form von Punkt-, Spiral-oder Blattornamenten als Dekor aufgetragen. Der mit einer Glasur vermischte Tonbrei und die unterliegende Lehmglasur werden dann bei einem einmaligen Brenngang miteinander verschmolzen. Dieses Dekor ist leicht erhaben und ertastbar.

22 Vgl. Klaus-Peter Arnold, Vom Sofakissen zum Städtebau. Die Geschichte der Deutschen Werkstätten und der Gartenstadt Hellerau, Verlag der Kunst, Dresden, Basel 1993, S. 299. Karl Schmidt, ein Möbeltischler aus Zschopau in Sachsen, gründete im Oktober 1898 in dieser Region seine Bautischlerei und Möbelfabrik, die er nach seinem Umzug nach Hellerau 1907 in Deutsche Werkstätten für Handwerkskunst GmbH, Dresden und München umbenannte. Diese hatten 1909 Verkaufsräume in Dresden, Hamburg, München, Hannover und Berlin und lieferten praktisch deutschlandweit aus.

23 Vgl. Deutsche Werkstätten für Handwerkskunst: Kleingerät, Dresden 1909 (?). Im Vorwort heißt es: „Dieses kleine Buch enthält eine Sammlung keramischer Erzeugnisse und Kleingerät zu geringeren und zu höheren Preisen. Es zeigt eine Auswahl des Besten, was es auf diesem Gebiet gibt. Wer geschmacklich gute Dinge sucht, wird sie hier finden. Die Sachen, in Material, Herstellung und Form gut und gediegen, sind natürlich nicht zu den Preisen der Ramschbazare herzustellen; man bedenke aber dabei, dass ein gediegener Gegenstand größere Wirkung übt, als eine ganze Stube voll minderwertiger Nippsachen. Soweit das Gewünschte im Katalog nicht enthalten ist, bitten wir, uns Mitteilung zu machen. Wir können weitere Vorschläge unterbreiten. Der Katalog enthält nur einen kleinen Teil unserer Sachen“. Und unter „Lieferungs-Bedingungen“ heißt es weiter: „Von den in diesem Preisbuch abgebildeten Gegenständen wird fast durchweg Lager unterhalten, so daß Lieferung meistens sofort möglich ist.“ Leider sind in den bisher bekannten „Kleingeräte-Katalogen“ die beiliegenden Preislisten nicht mehr vorhanden.

24 Vgl. Nipperdey, Thomas: Deutsche Geschichte 1866-1914, Band 1, Arbeitswelt und Bürgergeist, München 1990, S. 738

25 Vgl. Kratzsch, Gerhard: Kunstwart und Dürerbund. Ein Beitrag zur Geschichte der Gebildeten im Zeitalter des Imperialismus. Göttingen 1969 zitiert in http://www.deutscherwerkbund-nw.de/index.php?id=241

26 Vgl. Gediegenes Gerät fürs Haus. Ein erster Versuch. Zu beziehen durch die Gemeinnützige Vertriebsstelle Deutscher Qualitätsarbeit GmbH, Dresden und Hellerau (1912?)

27 Die Oranienburger Werkstätten Körting fertigten hier bis 1931 Gebrauchs- und Zierkeramik.

28 In den Adressbüchern ist der Eintrag von Sonja Festersen mit dem Laden in der Lützowstraße 31 immer getrennt vom Eintrag von Hugo Lippmann und der Kunsttöpferei. Man könnte anhand der Eintragungen auch denken, dass Sonja Festersen sich auf den Laden in der Lützowstraße 31 konzentriert hat und Hugo Lippmann mit der Kunsttöpferei weitergemacht hat. In dem Abschnitt für Geschäftseinträge im Adressbuch findet man bis zum Jahr 1931 einen Eintrag für den Laden in der Lützowstraße 31 unter dem Namen Sonja Festersen. Also hat sie den Laden wohl mindestens bis 1930 weitergeführt.

1927 (4252) Rubrik Glas-, Kristall- und Porzellanwaren (Einzelhandel): Festersen, Sonja W 35 Lützowstr. 31 T.-krf. 6720
1930 (4309+5812) Rubrik Glas-, Kristall- und Porzellanwaren (Einzelhandel): Festersen, Sonja W 35 Lützowstr. 31 T.-krf. 6720 S.T. und unter der Lützowstraße 31 steht sie auch drin Festersen, S. Porzellan.
1931 (4168) Rubrik Glas-, Kristall- und Porzellanwaren (Einzelhandel): Festersen, Sonja W 35 Lützowstr. 31 T.-krf. 6720 S.T.
1932 (4112) Kein Eintrag mehr bei den Glas-, Kristall- und Porzellanwaren

Ebenso existiert Hugo Lippmann auch nach der Liquidation der Kunsttöpferei in der Lützowstraße 105 weiter als Vertreter.

29 Vgl. Pelka, Otto: Keramik der Neuzeit. Monographien des Kunstgewerbes Band XVII/XVIII, Klinkhardt & Biermann Verlag, Leipzig 1924

30 Lobetal wurde 1905 von Pastor Friedrich von Bodelschwingh als Arbeiterkolonie unter dem Motto „Arbeit statt Almosen“ gegründet, um dem Elend der Obdachlosen und Arbeitslosen in Berlin zu begegnen. Pastor Paul Gerhard Braune, der während der Zeit des Nationalsozialismus die Anstalt leitete, setzte sich für den Schutz der „nichtarischen“ Christen ein, konnte jedoch nicht verhindern, dass auch jüdische Bewohner festgenommen und ermordet wurden.

[TOP]